Navigation

Logo Frankenwald Draussen. Bei uns.

Unsere Wiesen

Hier kann man das Gras wachsen hören...

Im Frankenwald gibt es nur Wald? Von wegen!

Einen großen Teil unserer Mittelgebirgslandschaft machen die Wiesen aus, die mit ihrer bunten Blumenvielfalt und den hellen Grüntönen die Farbpalette beträchtlich erweitern.

Ausgedehnte Mischwälder aus Buchen und Tannen prägten früher die Region des heutigen Frankenwaldes. Erst mit den Menschen kamen auch die Wiesen, große Waldstücke zur Besiedlung und zur landwirtschaftlichen Nutzung wurden gerodet. Auf den Hochflächen und Höhenrücken wurde Ackerbau betrieben, die feuchten Talauen und Hänge dienten als Wiesen und Weiden.

Doch Wiese ist nicht gleich Wiese. Im Frankenwald finden sich Nasswiesen und Halbtrockenrasen, saure Niedermoore und Borstgrasrasen, Viehweiden und ein- bis zweischürig gemähtes Grünland. Einteilen kann man all diese Wiesenarten in Bergwiesen, Feuchtwiesen und Magerrasen.

Bergwiesen: Ein Hoch auf die Vielfalt!

Im Frankenwald breiten sich die Bergwiesen - auch wenn es paradox klingt - von den Hochflächen bis in die Tallagen aus. Auf den ungedüngten Bergwiesen wachsen vielfältige Blüh-, Heil- und Gewürzkräuter quasi um die Wette und bunte Blumensträuße finden sich wie von selbst. Diese Pracht konnte sich entfalten, weil im Frankenwald die Wiesen jahrhundertelang rein extensiv genutzt wurden. Extensiv heißt, auf mineralischen Dünger wurde und wird komplett verzichtet, wenn überhaupt kommt Festmist auf die Wiese. Gemäht wird höchstens zweimal im Jahr, die erste Mahd findet erst im Juli statt. Blühpflanzen können sich so ungestört aussamen und der hohe Anteil an blühenden Wiesenkräutern gibt dem Bergwiesenheu eine ganz besondere Qualität. Viele Rinderhalter und Pferdebesitzer schwören darauf, dass das Bergwiesenheu ihre Tiere gesund hält. Außerdem verleihen die würzigen Bergwiesenkräuter dem Fleisch der Weiderinder einen unverwechselbaren Geschmack. Doch auch wir Frankenwälder wissen die Pflanzen der Bergwiesen - wie Arnika, Holunder-Knabenkraut oder Bärwurz - zum Beispiel als Heilkräuter zu schätzen!

Und je größer die Pflanzenvielfalt, desto mehr Lebensraum für die unterschiedlichsten Bewohner. Vor allem Insekten wie Heuschrecken oder Schmetterlinge fühlen sich auf den Bergwiesen wohl und Vögel wie das seltene Braunkehlchen nutzen die Bergwiesen zum Brüten, finden sie hier doch Nahrung fast im Überfluss.

Bergwiese mit Arnika Bergwiese mit Bärwurz
Bergwiese mit Arnika                                           Bergwiese mit Bärwurz

Feuchtwiesen: Keine Angst vor nassen Füßen!

In den Tälern und Quellbereichen des Frankenwaldes finden sich Feucht- und Nasswiesen, die als Biotope grundsätzlich unter Naturschutz stehen. In den feuchten Verhältnissen haben sich über die Jahrhunderte hinweg stabile Lebensgemeinschaften entwickelt. Hier fühlen sich nur ganz bestimmte Tiere wie die Sumpfschrecke oder der Lilagold-Feuerfalter, und Pflanzen - zum Beispiel das Breitblättrige Knabenkraut, die gelbe Trollblume, das watteartige Schmalblättrige Wollgras die Sumpfdotterblume oder der Wiesenknopf - zu Hause. Der auffallendste Vertreter im Feuchtwiesen-Biotop ist aber der seltene Schwarzstorch, der typisch für den Frankenwald ist und hier eines seiner größten Vorkommen in Deutschland hat.

Einmal im Jahr müssen auch die Feuchtwiesen gemäht werden, denn wenn man eine Feuchtwiese sich selbst überlässt, wuchert sie zu. Hochstauden machen sich breit und verdrängen die Wiesenpflanzen. Das Mähen gestaltet sich aber oft schwierig: Mit den großen und schweren Maschinen von heute können die sensiblen feuchten Flächen nur eingeschränkt befahren werden, dazu nur bei trockenen Bodenverhältnissen oder mit Spezialbereifung. Viele Feuchtwiesen gingen Mitte des letzten Jahrhunderts verloren, weil die Waldbauern sich lieber für eine Aufforstung entschieden, als die schwierige Bewirtschaftung weiter zu führen. Dadurch veränderte sich das typische Landschaftsbild des Frankenwaldes, viele Feuchtwiesen gingen verloren. Heute hilft staatliche Förderung dabei, die aufgeforsteten Talwiesen wieder zu roden, die Täler zu öffnen und durch eine regelmäßige Pflege oder Beweidung mit Rindern auch offen zu halten.


Feuchtwiese mit Beweidung im Kremnitztal Feuchtwiese mit Wollgras
Feuchtwiese mit Beweidung im Kremnitztal              Feuchtwiese mit Wollgras

Magerrasen: Steinreich, aber arm!

Magerrasen entwickelten sich auf den meist armen, flachgründigen, steinreichen und wärmegetönten Hängen des Frankenwaldes, weil Ackerbau hier beim besten Willen nicht möglich ist. Weidende Schafe und Ziegen lichteten den hier ursprünglichen Wald immer mehr auf, irgendwann verschwand er durch zusätzliche Rodung ganz. Dadurch konnte die Sonne bis auf den Boden scheinen, eine Vegetationsdecke aus mageren Gräsern und Kräutern entstand. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts beweideten die Schafe der Wanderschäfer und die Ziegen der Frankenwaldbauern diese Magerrasen regelmäßig weiter. Mit dem rasanten Rückgang der Schafhaltung entfielen dann allerdings vielerorts die Voraussetzungen für Magerrasen. Ehemalige Hutungen wurden aufgeforstet oder fielen brach, verbuschten und entwickelten sich wieder zu Wald. Heute unterstützen Naturschutzprojekte den Erhalt der noch verbliebenen Magerrasen im Frankenwald und fördern die Vernetzung der selten gewordenen Lebensräume. Die bereits mit Sträuchern bewachsenen ehemaligen Magerrasen werden entbuscht, dann hält eine regelmäßige Beweidung mit Ziegen und Schafen die Flächen offen.

Auf den Schafweiden können sich vor allem Pflanzen mit bitterem Geschmack, mit Nadeln, Stacheln oder Dornen durchsetzen. Enziane, Salbei und Disteln mögen die Schafe nicht, trotzdem sind sie im Frankenwald selten geworden. Auch Orchideen sind typische Bewohner der trockenen Magerrasen, wo diese etwas feuchter sind, entwickeln sich die typischen Salbei-Wiesen, die im Frühsommer schon von Weitem lilablau leuchten.

Kalkmagerrasen mit Beweidung Kalkmagerrasen mit Händelwurz
Kalkmagerrasen mit Beweidung                              Kalkmagerrasen mit Händelwurz